Zusammenhalt in einer vielfältigen Stadt

Ich bin im Stuttgarter Westen aufgewachsen und war regelmäßig am Hölderlinplatz unterwegs, einer der am dichtesten besiedelten Stadtteile Deutschlands. Mir gefällt besonders, dass dort auf engstem Raum Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen zusammenleben - in einer Straße, manchmal auch in einem Block. Ich möchte, dass wir diese Vielfalt und den Zusammenhalt in unserer Stadt stärken.

Einsamkeit ernst nehmen

Gerade in Großstädten ist Einsamkeit eine Volkskrankheit. So gehen repräsentative Befragungen davon aus, dass sich - je nach Altersgruppe - bis zu einem Viertel der Bevölkerung häufig einsam fühlt. Dieses Phänomen hat in den letzten Jahren immer weiter zugenommen und kann schlimme Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen haben: Zum Beispiel Depressionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Längst haben andere Länder - beispielsweise Großbritannien - reagiert und begegnen dem Thema mit politischen Initiativen. In Deutschland hingegen ist die politische Diskussion noch unterbelichtet. Die Stadt Stuttgart sollte hier eine Vorreiterrolle einnehmen. Dafür möchte ich eine kommunale Strategie zur Bekämpfung von Einsamkeit starten und in der Stadtverwaltung die Stelle einer bzw. eines Einsamkeitsbeauftragten schaffen.

Den KiTa-Ausbau vorantreiben

In Stuttgart leben etwa 35.000 Kinder bis sechs Jahre. Ich möchte, dass sie beste Chancen haben. Dafür müssen wir den KiTa-Ausbau weiter vorantreiben. Denn noch immer fehlt es in vielen Bezirken an ausreichend KiTa-Plätzen. Ich möchte, dass wir in Zukunft noch mehr dafür tun, Erzieherinnen und Erzieher für die städtischen Einrichtungen zu gewinnen. Das gelingt vor allem mit guten Arbeitsbedingungen, Wertschätzung und der Fortführung des Tarif Plus, also der übertariflichen Bezahlung von Erzieherinnen und Erziehern.

Mehr Spielplätze und Bewegungsflächen

Stadt ist auch Erlebnis- und Bewegungsraum für Kinder. Ich möchte, dass Kinder und Jugendliche in nächster Nähe sichere und saubere Spielmöglichkeiten finden. Gerade in den dicht bebauten Innenstadtbezirken braucht es mehr Bewegungsflächen und Spielplätze. Wichtig ist dabei auch, dass wir unsere Spielflächen und Schulhöfe an steigende Temperaturen anpassen. Denn teilweise fehlt es noch an Beschattung und Begrünung, sodass eine Nutzung im Sommer kaum möglich ist. 

Die Schulen sanieren

Die Stadt Stuttgart ist verantwortlich für über 160 Schulen. Viele sind baulich in einem schlechten Zustand: Von den Sanitäranlagen bis zu den Schulhöfen. Zwar hat der Gemeinderat genügend Mittel für Sanierungen zur Verfügung gestellt, aber die Stadt kommt mit der Umsetzung nicht voran. Ich möchte, dass wir das Tempo deutlich erhöhen. Dafür brauchen wir im Rathaus vor allem eine zentrale Projektsteuerung für die Schulsanierungen. Und auch bei der digitalen Ausstattung ist noch viel zu tun, wie nicht zuletzt in der Corona-Pandemie deutlich wurde. Mein Ziel ist es, jede Schule rasch mit WLAN und digitalen Endgeräten auszustatten. 

Gleichstellung stärken

Die Corona-Pandemie war gleichstellungspolitisch ein Rückschlag, weil alte Rollenbilder wieder verstärkt wurden - es waren vor allen Dingen Frauen, die die Kinderbetreuung übernommen haben. Nicht zuletzt hat die Corona-Pandemie auch für einen Anstieg der Gewalt gegen Frauen gesorgt. Ich möchte, dass die Stadt ihre Ressourcen noch stärker nutzt, um auf Hilfsangebote für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder aufmerksam zu machen. Zum Beispiel indem sie ihre Werbeflächen in Bussen und Bahnen und an anderen öffentlichen Stellen für Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen kostenlos zur Verfügung stellt. Schließlich möchte ich prüfen, ob ein Teil der städtischen Aufträge unter Berücksichtigung des Kriteriums der Frauenförderung vergeben werden kann.    

Die Jugend in den Blick nehmen

Ich möchte Jugendliche und junge Erwachsene noch stärker in den Blick nehmen. Zwar gibt es in Stuttgart hervorragende Angebote für Jugendliche - von Jugendhäusern bis zu den Jugendfarmen. Dennoch sind Jugendliche nicht so stark im Fokus der Kommunalpolitik wie andere Altersgruppen. Deshalb möchte ich eine städtische Jugendbefragung durchführen: Was bewegt Jugendliche in Stuttgart? Wo gibt es Verbesserungsbedarf? Was für Orte wünschen sie sich? Dazu gehört auch, dass Jugendbeteiligung ausgebaut und selbstverständlich wird, also nicht nur bei Jugendthemen durchgeführt wird. Mit informellen Formaten wie Jugendhearings oder innovativen Ansätzen wie aufsuchende Formen der Beteiligung. Also zum Beispiel Interviews mit Jugendlichen an Plätzen, an denen sie sich gerne aufhalten. Etwa wenn es um die Entwicklung einer neuen Ortsmitte in einem Stadtbezirk geht.

In Würde altern

In Stuttgart fehlen schon heute in vielen Stadtbezirken Pflegeplätze. Und leider werden Schließungen - beispielsweise des Seniorenzentrums Schönberg in Birkach Ende 2020 - dies noch weiter verschärfen. Wir wissen schon heute, dass bis zum Jahr 2030 über 2.000 neue Pflegeplätze geschaffen werden müssen. Gemeinsam mit kirchlichen und freien Trägern sowie den ambulanten Diensten möchte ich einen ständigen “Runden Tisch Pflege” einrichten. Dort soll der weitere Ausbau von Pflegeplätzen, Pflege-WGs und ambulanten Diensten zusammen gesteuert werden. Dazu gehört beispielsweise eine kontinuierliche Suche nach Grundstücken und die zügige Schaffung von Baurecht. Doch das wichtigste sind die gut qualifizierten Pflegekräfte. Und die gewinnen wir nur mit bezahlbarem Wohnraum. Mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SWSG möchte ich daher im Zusammenhang mit neuen Pflegeprojekten günstige Personalwohnungen bauen, an denen die Pflegeheimträger dann Belegungsrechte erwerben können.       

Den Stuttgarter Weg fortsetzen

Fast jede zweite Stuttgarterin oder jeder zweite Stuttgarter hat einen Migrationshintergrund. Und zum Zusammenhalt in unserer Stadt gehört auch, wie wir mit Menschen umgehen, die in Stuttgart Zuflucht suchen. Dabei ist der sog. “Stuttgarter Weg” in der Asylpolitik - also eine dezentrale Unterbringung und eine intensive Sozialbetreuung - ein leuchtendes Beispiel. Klar ist: Der Stuttgarter Weg ist vor allem deshalb ein Erfolg, weil sich unzählige Stuttgarterinnen und Stuttgarter in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Das verdient nicht nur Respekt und Anerkennung, sondern auch reibungslose Abläufe auf Seiten der Stadtverwaltung. Die langen Bearbeitungsdauern in der Ausländerbehörde müssen daher der Vergangenheit angehören.

Bürgerschaftliches Engagement und Vereine unterstützen

In Stuttgart gibt es über 6.000 Vereine und unzählig bürgerschaftlich engagierte Gruppen. Sie sind das Rückgrat der Stadtgesellschaft und Garant für den Zusammenhalt. Deshalb brauchen wir einen festen Ort, an dem sich Engagierte versammeln können. Als zentrale Anlaufstelle für Unterstützung, Qualifizierung und Begegnung von ehrenamtlich Engagierten möchte ich das “Haus des bürgerschaftlichen Engagements” rasch umsetzen. Dabei möchte ich einen dezentralen Ansatz verfolgen. Also mit mehreren Räumen im gesamten Stadtgebiet, darunter zum Beispiel das Garnisonsschützenhaus am Dornhaldenfriedhof. 

Den Sport unterstützen

Aktuell fehlt es im gesamten Stadtgebiet an Sporthallen - das betrifft vor allem die Innenstadtbezirke. Das ist für viele Sportvereine deshalb problematisch, weil aufgrund fehlender Hallenkapazitäten nicht alle Interessenten aufgenommen werden können. Deswegen müssen wir in den kommenden Jahren die Hallen ausbauen. Dafür möchte ich ein Investitionsprogramm für die kommenden zehn Jahre aufstellen. Neben einem verbesserten Hallenangebot möchte ich die Sportvereine auch bei vereinsübergreifenden Kooperationen unterstützen und die Qualifizierung von Ehrenamtlichen ausbauen. Ein Schwerpunkt soll dabei die Begleitung von Vereinen bei der Einführung neuer digitaler Lösung sein, beispielsweise im Bereich der Mitgliederkommunikation oder -verwaltung.