Die Transformation der Wirtschaft begleiten

Stuttgart ist einer der führenden Wirtschaftsstandorte in Europa. Und im Gegensatz zu anderen deutschen und europäischen Großstädten gibt es in der Region Stuttgart noch einen intakten industriellen Kern aus Automobilbranche und Maschinenbau. Die Aufgabe des kommenden Jahrzehnts ist es, den industriellen Kern zu erhalten und um eine wachsende Digitalwirtschaft zu ergänzen. Damit dieser Wandel gelingt, braucht es eine neue Haltung - auch und gerade auf Seiten der Stadtpolitik: Wieder Lust auf Neues zu haben, Experimentierfreudigkeit und eine Kultur der zweiten Chance für Gründerinnen und Gründer.

   

Innovation ermöglichen

Viele Stuttgarterinnen und Stuttgarter möchten gründen. Doch dafür finden sie in Stuttgart keine optimalen Bedingungen vor. Hier kann die Stadt mehr tun. Ich möchte einen Innovationsfonds für die Digitalwirtschaft bzw. Start-ups auflegen. Damit sollen keine neuen Strukturen geschaffen, sondern vielmehr bestehende Ökosysteme und Start-up-Hubs in Stuttgart unterstützt werden. Beispielsweise mit günstigen Büroflächen oder bei der Vernetzung mit großen Unternehmen und Akteuren aus der Wissenschaft. Zu einem optimalen Umfeld für Gründerinnen und Gründer gehört auch, dass wir die Verwaltung serviceorientierter aufstellen (siehe Kapitel II.) und den flächendeckenden Glasfaserausbau beschleunigen. 

Support your local 2.0

Durch die Corona-Pandemie sind viele Firmen existentiell bedroht. Zur Ehrlichkeit gehört: Die Unterstützung notleidender Unternehmen ist vor allem eine Aufgabe für Land und Bund. Aber wir können einen Gedanken aufgreifen, der während der Corona-Krise in zahlreichen #supportyourlocal-Aufrufen gegenwärtig war: Die Unterstützung der Unternehmen vor Ort. Ich möchte, dass wir einen größeren Teil der Wertschöpfung in Stuttgart binden. Dafür soll die Stadt gemeinsam mit sogenannten Anker-Institutionen - das sind große Einrichtungen wie zum Beispiel Landesministerien, Universitäten und Hochschulen, Kliniken, Kirchen, die Landespolizei oder das Regierungspräsidium - eine Initiative zur Stärkung der regionalen Wirtschaft auf den Weg bringen. Konkret: Wenn diese Organisationen Aufträge vergeben, sollen künftig lokale Unternehmen noch stärker berücksichtigt werden. Das trägt dazu bei, dass der Aufschwung nach der Krise auch vor Ort und in der Breite der Stadtbevölkerung ankommt. Weiter hilft die Stärkung lokaler Wirtschaftskreisläufe eine Stadt lebendig zu halten. Denn lokale Unternehmen zahlen in Stuttgart Steuern, unterstützen Vereine und schaffen Arbeitsplätze vor Ort.

Klima-Kredite

Zahlreiche Unternehmen benötigen aktuell zusätzliche Liquidität, um den Betrieb aufrecht zu erhalten und Arbeitsplätze zu sichern. Ich möchte ein innovatives Förderinstrument schaffen, mit dem wir einerseits die dringend notwendige Unterstützung für Unternehmen ausbauen und gleichzeitig den Weg zur klimaneutralen Stadt beschleunigen. Unternehmen sollen bei der Landesbank Baden-Württemberg, an der ist die Stadt beteiligt, zinslose Kredite (oder ggf. zinsvergünstigte Kredite) von bis zu einer Million Euro für max. 5 Jahre in Anspruch nehmen können. Das Besondere: Nicht der gesamte Kredit muss in Geld zurückbezahlt werden. Vielmehr können die Unternehmen bis zu einem Drittel des Kredits auch über dauerhafte CO2-Einsparungen tilgen. 

Neustart-Guthaben für die Gastronomie

Wie kaum eine andere Branche leidet die Gastronomie unter der Corona-Krise. Damit wir unsere vielfältige Gastronomie-Landschaft erhalten, braucht es nicht nur die kurzfristigen Hilfen von Land und Bund, sondern auch eine mittelfristige Perspektive durch die Stadt. Deshalb möchte ich ein sogenanntes Neustart-Guthaben auf den Weg bringen. Konkret bekommen Gastronomiebetriebe - gestaffelt nach Größe - ein Guthaben von 2.500 Euro, 5.000 Euro bzw. 10.000 Euro, aus dem städtische Gebühren und Entgelte bezahlt werden können. Darunter fallen z.B. Gebühren für Sondernutzungserlaubnisse für Außengastronomie, Sperrzeitverkürzungen oder Abfall- und Schmutzwassergebühren. Betriebe, die beim Außer-Haus-Verkauf dauerhaft auf Mehrweg-Geschirr umstellen, können das Guthaben einmalig um 5.000 Euro aufstocken. Das Guthaben kann bis Ende 2023 genutzt werden.

Keinen jungen Menschen zurücklassen

Die Corona-Krise hat ihre Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. So ist die Zahl der Arbeitslosen in Stuttgart spürbar gestiegen. Und davon sind insbesondere junge Menschen betroffen. Gerade jetzt dürfen wir keine Jugendliche und keinen Jugendlichen zurücklassen. Dafür möchte ich eine Jugendberufsagentur gründen. Unter dem Dach der Jugendberufsagentur werden Angebote von Arbeitsagentur, Jobcenter, Stadtverwaltung und freien Trägern gebündelt, damit junge Menschen eine zentrale Anlaufstelle haben, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können.